Elsa Gindler © Ruth Matter Stiftung

Elsa Gindler (1885-1961) kann mit einer gewissen Berechtigung „als Großmutter der somatischen Psychotherapie“ (Weaver 2006) bezeichnet werden. Elsa Gindler war Forscherin und Pädagogin. Sie studierte zunächst „Harmonische Gymnastik“ bei Hedwig Kallmeyer (1881-1976) in Berlin und führte ab 1913 ein eigenes „Institut für harmonische Gymnastik“. Mit Berührungen zu den Atemlehrerinnen Clara Schlaffhorst (1863-1945) und Hedwig Andersen (1866-1957) und bis 1933 als 2. Vorsitzende des Deutschen Gymnastikbundes stand Elsa Gindler in der Tradition der deutschen Gymnastik- und Atemschulen vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Überraschend früh ging Elsa Gindler jedoch mit einer anderen Akzentsetzung in ihrer Arbeit wesentlich andere, eigene Wege als die auf „Schönheit und Gesundheit durch Gymnastik“ ausgerichteten Gymnastik- und Atemschulen. Sie stieß auf die Beziehungen zwischen physischen und psychischen Zuständen und entwickelte ihre Arbeit weg von gymnastischen Übungen zu einer experimentellen Forschungsarbeit psychosomatischer Zusammenhänge und eigener Entwicklungsmöglichkeiten. Als Ziel ihrer Erziehungsarbeit definierte sie wenig später, „den Menschen für eine Verhaltensweise zu interessieren, durch die seine Bewegungen und sein Organismus möglichst störungsfrei reagieren und funktionieren. Dieses Ziel ist nur erreichbar, wenn die Arbeit sich nicht in isolierten Turn- oder Gymnastikstunden vollzieht, sondern unaufhörlich in all unseren täglichen Betätigungen versucht wird“ (Gindler 1931).